Monat 8 – Es neigt sich dem Ende zu..

7:05h – Nachdem ich die ersten Monate immer 15 Minuten zu pünktlich gekommen bin, bin ich mittlerweile auf 5 Minuten überpünktlich abgesackt. Ich nehme auch nichtmehr die Treppe, sondern den Fahrstuhl. Nach dem Umziehen kurze letzte Worte per SMS und kurz Twitter gecheckt, dann ab in die Arbeit.

7:15h – Ich bereite Kaffee und heißes Wasser für das Frühstück vor. 8 Patienten wollen unbedingt jetzt schon eine Tasse von dem Getränk ihrer Wahl und 4 Patienten beschweren sich; sie wollen Wasser verteilt haben, aber plötzlich. 1 fragt wo das Essen so lange bleibt.

7:20h – Ich habe den Essenswagen geholt und schaue meinen Wagen mit den vorbereiteten Kannen an.. 2 sind leer, 2 fehlen.

8:00h – Essen ist verteilt, ich sitze in der Küche. 5 Essen fehlen, weil sie anscheinend keiner bestellt hat oder die Patienten nichts angekreuzt haben. Wo ich damals noch telefoniert und bestellt hab und anschließend im Akkord vom vierten Stock ins Erdgeschoss und zurück gedüst bin, damit der Patient pünktlich essen kann, denke ich heute „Sollense doch verhungern.“.

9:00h – Hab das Esseneinsammeln wohl „irgendwie“ versäumt. Jemand anderes hat eingesammelt und den Wagen runtergefahren. 9 Patienten haben ihre Tabletts noch in ihren Zimmern. Mir persönlich ja irgendwie egal. Ich hole sie raus und verstecke sie in der Küche, sodass keiner auf die Idee kommt mich runterzuschicken mit den Dingern..

9:15h – Ich verteile Wasser. Dem ist es zu kalt, dem zu warm, dem zu teuer, der trinkt zu viel, der hätte angeblich schon eine Woche kein Wasser gehabt, der will es früher weil er seine Tabletten nehmen muss. Fakt ist, dass das außer mir keiner macht und sich nachdem es mir anerzogen wurde sich auch keiner mehr zuständig fühlt.

9:30h – Jemand hat einen Zettel vergessen, das Krankenhaus ist zu geizig oder zu alt für eine Rohrpost, immerhin gibt es ja Zivis, ich laufe wegen einem verdammten Zettel vom vierten ins Erdgeschoss.

9:31h – Ärztliche Willkür, Blut wurde abgenommen, wer bringt’s runter? Ich renne, doch bin zu langsam, ich muss runter.

9:32h – Wieder ein Zettel .. wird hier überhaupt was besprochen .. nun gut, diesmal bleib ich unten.

9:50h – Nach dem Bettenmachen arbeite ich geistig auf die Pause hin – nun gut, dass tue ich seit 7 Uhr. Sie scheint greifbar nahe.

11:00h – Pause. Endlich.

11:30h – Mittagessen verteilen. Pfleger/Schwester X sagt, er/sie hilft mir beim Verteilen um anschließend spurlos zu verschwinden. Die 5 Essen, die beim Frühstück gefehlt haben, fehlen immernoch, bin ich eigentlich bei sowas der einzige der mitdenkt .. Naja, ist mir egal, ich verteile und setze mich in die Küche. Die Patienten fragen, ich weiß von nichts.

12:15h – Mittagessen einsammeln. Pfleger/Schwester x sagt, er/sie .. den Rest kennt man. Ich sammle ein, natürlich für alle irgendwie zu langsam und bringe den Wagen runter.

13:00h – Blutdruck messen. Ich hasse Blutdruck messen. Ich meine .. ich HASSE es. Alte und fette Leute sind sooo besorgt um ihren Blutdruck, wenn der nur 2 Punkte zu hoch ist, muss sofort ein Arzt her .. ich meine SOFORT!!!1

13:30h – Ich verspeise mein Mittagessen in der Küche und werde zwischen 3 und 8 mal von Patienten belästigt. Von Klopfen, Privatsphäre oder Respekt haben die wohl noch nie gehört. Naja egal, ich gehöre ja zum Sklavenpersonal und stehe unter dem Patienten; immerhin sind wir ja hier beim Zimmerservice im Hilton .. äh..

14:00h – Ich fange an zu betteln zu gehen .. mein Dienst dauert eigentlich bis 14:30h aber ich sitze nur rum .. ich will früher gehen, weil ich einfach keinen Bock mehr habe. Manchmal darf ich, manchmal nicht. Endlich frei, nach kurzen 5 Minuten Fröhlichkeit, fällt mir ein, dass ich morgen wiederkommen muss. Bis auf Samstags, weil Sonntags habe ich frei. Da muss ich Hausarbeiten erledigen.

Das ist natürlich nicht immer so. Naja ..
Viele durchaus positive Erlebnisse den Tag über sind absichtlich weggelassen um das allgemein negative Empfinden des Tages deutlicher rauszubringen ..

Freut euch morgen auf den Artikel „10 Dinge, die Sie über das Essen im Krankenhaus wissen sollten…“



One Response to “Ein Tag im Leben eines Krankenhaus-Zivis ..”  

  1. 1 Babbsdrebbler

    Deine Sicht auf die Welt ist einfach genial.
    Dazu passt auch der Schreibstil einfach 100%ig.

    Mach weiter so.
    MFG Babbs


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